Deutsch-amerikanische Beziehung: Klingbeil kritisiert Trump-Regierung | Politik

Washington – Eigentlich mag Lars Klingbeil (47, SPD) die USA sehr. Doch jetzt verschärft er den Ton gegenüber der Trump-Regierung und zweifelt offen an der deutsch-amerikanischen Partnerschaft.

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Bereits vor seinem Abflug nach Washington bescheinigte er der Partnerschaft zwischen Amerika und Europa Auflösungserscheinungen. Deutschland könne sich nicht mehr uneingeschränkt auf die USA als Schutzmacht verlassen.

Bei seinem Kurztrip nach Washington wollte Klingbeil dann Klartext sprechen. Und tat es nach eigener Darstellung auch. Als er seinen US-Kollegen, Finanzminister Scott Bessent (63) in einem Washingtoner Club zum Abendessen traf, habe er die Drohungen von US-Präsident Donald Trump (79), die dänische Insel Grönland notfalls mit Militärgewalt einzunehmen, deutlich zurückgewiesen und seine Irritation gezeigt: „Ich sage das auch in internen Sitzungen: Über die Zukunft Grönlands entscheiden die Menschen in Grönland, entscheidet auch Dänemark mit. Und unsere Solidarität ist da völlig klar.“

Er mache sich „große Sorgen“ um die Beziehung zu Amerika. Zwar sei ihm wichtig, „immer wieder die Hand in Richtung USA auszustrecken“. Aber: „Wir sind nicht blind.“ Und weiter: „Wir sehen, dass die Diskussionen immer schwieriger werden, dass die Differenzen immer größer werden.“

Auch in Wirtschaftsfragen will Klingbeil den Amerikanern nicht blind folgen. Am Montag hatte US-Finanzminister Bessent Amtskollegen aus zehn demokratischen Wirtschaftsnationen in sein Ministerium geladen. Die USA wollen gerne einen Handelsclub für kritische Rohstoffe gründen.

Klingbeil geht da mit – allerdings nur, wenn diese Allianz kein Anti-China-Pakt werden soll. Peking nutzt seine Vorherrschaft bei Seltenen Erden (Metalle für Handys, E-Auto-Batterien, Computer-Chips) als Machtmittel, schränkt den Verkauf immer mal wieder ein.

Trotzdem betont Klingbeil: „Was ich nicht will, ist, dass wir uns mit Staaten zusammenschließen und Politik gegen Dritte machen.“ Heißt: Ein solcher Rohstoff-Club müsse auch für China offen sein. Ein Abkoppeln Deutschlands von China lehnte er ausdrücklich ab.

Stattdessen will Klingbeil, dass in Europa die Produktion für Seltene Erden hochgefahren und der begehrte Rohstoff recycelt wird. So will er die gefährliche Abhängigkeit von China zumindest reduzieren.