Sportfördergesetz-Reform vom Kabinett beschlossen – Kritik vom DOSB

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Ein neues Gesetz soll den deutschen Spitzensport durch strukturelle Reformen und eine unabhängige Agentur stärken – erntet jedoch auch reichlich Kritik.

Berlin – Die Bundesregierung hat ein neues Sportfördergesetz vorgestellt, das Deutschlands Stellung im internationalen Spitzensport verbessern soll. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein präsentierte das Regelwerk am Mittwoch als Reaktion auf die zuletzt schwachen Ergebnisse bei internationalen Wettkämpfen – allen voran bei Olympia und den Paralympischen Spielen.

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

„Unser Anspruch ist klar: Wir wollen die Leistungsfähigkeit des deutschen Spitzensports stärken, und dafür braucht es strukturelle Veränderungen“, so Schenderlein. Kernstück der Reform ist die Einrichtung einer unabhängigen Spitzensportagentur in Form einer Stiftung, die Fördermittel künftig zielgerichteter und nachvollziehbarer vergeben soll. Schließlich pumpt der Staat dieses Jahr fast 350 Millionen Euro in den Spitzensport. Doch die Ergebnisse bleiben ausbaubar.

Neue Spitzensportagentur erntet Kritik vom DOSB

Nach dem Vorbild der britischen Agentur UK Sport soll die Agentur von zwei Vorständen geleitet werden und eigenverantwortlich handeln. Ziel sei es, bürokratische Hürden zu reduzieren und sportliche Leistung stärker in den Vordergrund zu stellen. „Wir stellen das System neu auf – mit einem stärkeren Fokus auf Leistung, auf Potenziale und auf nachvollziehbare Entscheidungen“, betonte die Staatsministerin.

Dennoch stößt das Gesetz bereits jetzt auf Widerstand. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bemängelt das Ungleichgewicht im Stiftungsrat: Während die Politik sechs Sitze erhält, sind dem DOSB lediglich drei zugestanden. „Wir wollen nicht einen staatsdominierten Sport am Ende haben“, warnte DOSB-Vorstandschef Otto Fricke.

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Darüber hinaus sorgt die Entscheidung für die Agentur in Leipzig – anstelle des vom DOSB favorisierten Frankfurt am Main – für Verstimmung. DOSB-Präsident Thomas Weikert erklärt: „Wir brauchen echte Augenhöhe zwischen Sport und Politik“ sowie „unabhängige Agenturvorstände und weniger Bürokratie.“

„Wie notwendig das ist, zeigt die Standortentscheidung für Leipzig, die ohne Abstimmung über den Sport hinweg getroffen wurde“, fügt er hinzu. „Solche Vorgänge verdeutlichen, dass die Agentur nicht zum Spielball politischer Interessen werden darf“, so Weikert weiter. Doch nicht nur die Chefetage des DOSB hat sich bereits zu dem Entschluss geäußert. Auch auf Seiten der Sportlerinnen und Sportler regt sich Kritik.

Bundestag und Bundesrat als nächste Hürde für die Reform

Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, der unabhängigen Vertretung der Bundeskaderathleten in Deutschland, bemängelt, dass Athleten im Stiftungsrat keine verbindliche Rolle einnehmen. Der Sportfachbeirat, in dem sie vertreten sind, besitzt lediglich beratenden Charakter. Zudem seien die Schutzregelungen für Sportler nicht ausreichend konkret gefasst. „Die Botschaft, die da gesendet wird: Wir wollen über Athleten entscheiden, aber nicht mit Athleten“, kritisierte Herber.

Das Sportfördergesetz muss nun noch Bundestag und Bundesrat passieren. Der DOSB setzt im parlamentarischen Verfahren auf weitere Verbesserungen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder pochte auf eine weitgehende Entscheidungsautonomie der Sportverbände. Ob das Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet werden kann, ist offen – und seine volle Wirkung wird ohnehin erst mittelfristig spürbar sein. (hbr)