Laden in der Innenstadt schließt: Es war „trotzdem eine schöne Zeit“

Im Juli wird das siebte Jubiläum begangen – und es wird aller Voraussicht nach das letzte sein. Steffi Kohn, die in der Neubrandenburger Innenstadt das Kinderbekleidungsgeschäft „Marienkäfer“ im Juli 2019 übernommen hat, wird den Laden schließen.

Das sind die Gründe für die Schließung

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„Umsatzeinbruch ist einer der Hauptgründe“, sagt sie im Gespräch mit dem Nordkurier. Schon vor gut zweieinhalb Jahren habe sich der Trend abgezeichnet, „dass es kontinuierlich immer ein bisschen weniger wurde“, erläutert sie und ergänzt: „Wenn man wirtschaftet, dann will man ja auch Geld verdienen“. Im September 2025 habe sie schließlich den Mietvertrag für ihr Geschäft in der Turmstraße gekündigt.

Eigentlich war alles vielversprechend. Wenige Monate nach der Geschäftsübernahme kam zwar Corona, doch Steffi Kohn kam mit ihrem Geschäft durch die Pandemie. „Damals habe ich noch gesagt: Ich habe eine weltweite Pandemie mit dem Laden überstanden, was soll denn jetzt noch kommen.“ An die Zeit nach Corona erinnere sie sich gerne zurück. Zunächst sei es damals wieder bergauf gegangen, weil die Leute wieder lokal einkaufen wollten. Doch der Aufschwung sei mit der Zeit wieder zurückgegangen. Im Januar, Februar und März 2026 „war so wenig Umsatz, das darf man eigentlich niemandem erzählen“, sagt die 39-Jährige mit Blick auf den Jahresbeginn.

Viele Leute würden ihre Kleidung heutzutage online kaufen und auch Großeltern hätten von Eltern seltener die Erlaubnis bekommen, für die Kinder einzukaufen. „Zu mir kommen in erster Linie Großeltern, die Mitbringsel für Enkelkinder suchen“, hatte die Geschäftsfrau dem Nordkurier schon im März 2020 gesagt, also gut ein halbes Jahr nach ihrem Start. Zudem sei es mittlerweile schwer, Personal zu finden. Mit einer Aushilfe arbeitet sie noch im Laden, bis Ende 2025 hatte sie auch eine Angestellte, die jedoch in Rente gegangen ist.

Positive Momente sind in Erinnerung geblieben

„Seitdem die Prozentzeichen überall dran sind, kommen auch alle wieder. Ich habe richtig gut zu tun“, erzählt die 39-Jährige. Viele Kunden fänden es schade, dass sie den Laden schließt, allerdings sei auch Verständnis da. Voraussichtlich Ende September will sie den Laden zu machen, danach stehen für sie noch einige Aufräumarbeiten an, bis der Mietvertrag Ende Oktober endet.

Seitdem die Prozentzeichen überall dran sind, kommen auch alle wieder. Ich habe richtig gut zu tun.

Steffi Kohn, Unternehmerin in Neubrandenburg

Wenn Steffi Kohn an die vergangenen Jahre zurückdenkt, bleiben ihr viele positive Momente in Erinnerung. „Das war schon wirklich schön, auch wie ich hier aufgenommen wurde“, sagt sie mit Blick auf die anderen Geschäftspartner in der Turmstraße. Mit Ariane, einer Stammkundin von Beginn an, sei sogar eine gute Freundschaft entstanden. „Auch wenn es jetzt nicht mehr läuft, war es ja trotzdem eine schöne Zeit“, ist für die 39-Jährige klar. Sie bedankt sich bei Freunden, ihrer Familie und „meiner langjährigen Mitarbeiterin Gritta“ für die Unterstützung über die gesamte Zeit hinweg.

„Ich habe auch eine neue Idee für die Selbstständigkeit. Aber darüber möchte ich noch nicht reden“, erzählt Steffi Kohn. Für sie werde es nach der Zeit im „Marienkäfer“ in einem Angestelltenverhältnis weitergehen. Besonders freue sie sich auch darauf, das Jahr mit der Familie „ganz ruhig ausklingen“ zu lassen. In den vergangenen Jahren sei die Zeit rund um Weihnachten immer stressig gewesen. Mit ihren drei Kindern will sie in diesem Jahr auf jeden Fall Plätzchen backen.

So soll es mit der Verkaufsfläche weitergehen

Wie es mit der Verkaufsfläche ab dem Herbst weitergeht, stehe noch nicht fest, bestätigen die Neubrandenburger Stadtmagneten und die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) auf Anfrage.

Mit Mietinteressenten „unterschiedlicher Branchen“ befinde man sich im Austausch, sagt der Stadtmagneten-Geschäftstellenleiter Michael Schröder. Detaillierte Informationen könnten jedoch noch nicht mitgeteilt werden. „Der Neubrandenburger Boulevard beweist sich trotz schwieriger Marktsituation nach wie vor als 1A-Einzelhandelsstandort und ist im Vergleich zu anderen Innenstädten eine sehr attraktive Shoppingadresse“, erläutert er.

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Auch die Neuwoges bestätigt, dass ein Austausch mit „verschiedenen Interessenten aus unterschiedlichen Branchen“ existiere. Der Standort in der Turmstraße biete „weiterhin sehr gute Entwicklungsperspektiven“. So verfüge die Fläche „über eine attraktive Lage im Herzen der Neubrandenburger Innenstadt und ist durch die direkte Anbindung an den Boulevard sowie hohe Passantenfrequenz grundsätzlich prädestiniert für eine zukünftige gewerbliche Nutzung“. Klassische Einzelhandelskonzepte, ergänzende Dienstleistungsangebote oder gastronomische Angebote seien „an diesem Standort grundsätzlich denkbar“, sagt Neuwoges-Sprecher Matthias Trenn.

Neubrandenburg sei ein attraktiver Standort

Beim Wohnungsunternehmen sei man überzeugt, „dass die Fläche auch künftig großes Potenzial besitzt und sich eine nachhaltige Nachnutzung realisieren lässt. Die bisherigen Gespräche und Anfragen bestätigen diese positive Einschätzung bereits“. Auch Matthias Trenn hebt hervor, dass Neubrandenburg „weiterhin ein attraktiver und funktionierender Handels- und Dienstleistungsstandort ist“.

Ob Steffi Kohn in der Zukunft noch einmal ein eigenes Geschäft eröffnen wird? „Sag niemals nie“, sagt sie lachend. Momentan sei es jedoch unwahrscheinlich.